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Seit heute um 15.45 Uhr stehen vorerst alle Räder still !!!


geschrieben 16.02.2007, 22:29 Uhr
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Kraftwerk Datteln Um 15.45 Uhr stehen alle Räder still


Von Thomas König
Waltrop-OBERWIESE. Wirklich gerechnet hat wohl niemand damit. Der Baustopp kommt für viele überraschend. Doch um 15.45 Uhr geht nichts mehr an der Löringhofstraße. Die Arbeiten am neuen E.ON-Kraftwerk sind eingestellt. Bis auf Weiteres.

Das Oberverwaltungsgericht Münster folgt einem Eilantrag des BUND-Landesverbandes und setzt am frühen Nachmittag die Arbeiten auf dem größten Teil der Fläche aus. Bis Aschermittwoch, dann wird in Münster der Widerspruch des BUND gegen die erste Teilgenehmigung für den Kraftwerksbau erörtert. Solange bleiben das Waldgebiet und das Biotop auf dem Gelände vor den Rodungs- und Erdarbeiten geschützt.

Kaum ist die Tinte trocken unter dem Beschluss, informiert der BUND Mitglieder vor Ort. Aus Waltrop machen sich unter anderem Sigrid Bentlage und Norbert Hiedl sowie Anwohner auf den Weg zur Baustelle, um das sofortige Ende der Arbeiten einzufordern.

Einige stellen sich in die Einfahrt zur Baustelle, den anrollenden Lkw in den Weg. Für einen Augenblick droht die Situation zu eskalieren. Dann aber verzichten beide Seiten darauf, die Polizei zu verständigen. Jean-Paul Probst, verantwortlicher Bauleiter, und Matthias Hube von E.ON treffen ein und organisieren das Ende der Arbeiten. "Können wir denn noch die Lkw, die jetzt da sind, auf dem Gelände abladen?", fragt Probst. "Nein." Kurz und knapp die Antwort von Hiedl.

Nur auf dem nördlichen Streifen des Geländes darf das Bauunternehmen noch arbeiten, dort rollen die letzten Lkw hin. Die vielen Bagger und Raupen stehen längst in Reih' und Glied - Motor aus. Um 15.45 Uhr versperren zwei Arbeiter die Zufahrt mit einem Bauzaun.

"Jetzt sind andere am Zug, die Argumente werden am Mittwoch in Münster ausgetauscht", sagt Matthias Hube von E.ON. Natürlich sei die Unterbrechung "nicht angenehmen. Das wirkt sich auf alle weiteren Termine aus", sagt Hube. "Aber jetzt müssen wir das abwarten." Jean-Paul Probst dirigiert derweil die noch beladenen Lkw um.

Peter Ebermann vom Tiefbauunternehmen Arge Meister aus Sachsen telefoniert, er hat einiges zu organisieren. "Ich habe noch Mitarbeiter auf der Autobahn, die hierher unterwegs sind. Die habe ich erstmal wieder nach Hause geschickt", sagt er.

Montags bis samstags von sechs bis 22 Uhr darf er auf dem 60 Hektar großen Areal an der Löringhofstraße arbeiten. Eigentlich. Bis Aschermittwoch aber nicht mehr. Dabei wäre im Moment das Wetter optimal für die Bodenarbeiten. "Wir haben schon vier Wochen später angefangen. Jetzt dieses Hin und Her. Aber der Endtermin ist der gleiche", sagt Ebermann, der mächtigen Zeitdruck kommen sieht. 45 Mann hätte er am Montag auf der Baustelle gehabt. Die müssen jetzt alle abwarten.

Weiter oben auf der Straße warten die Lkw-Fahrer neben ihren aufgereihten Brummis. Sie sind sauer. "Das kann doch nicht wahr sein. Der eine sagt los, fünf Tage später heißt es stopp", sagt einer der Fahrer. Die Firma habe für die Baustelle extra neue Leute eingestellt. "Geht das so weiter, sind die bald wieder beim Arbeitsamt." Wie es weitergeht, das entscheidet sich erst am Aschermittwoch. Die nicht öffentliche Sitzung in Münster beginnt um 11.15 Uhr.
16. Februar 2007 | Quelle: Waltroper Zeitung
BUND spricht von einem Teilerfolg

Datteln. (az/uw) Baustopp für das E.ON-Steinkohlekraftwerk: Bis kommenden Mittwoch ruhen die Arbeiten im südlichen Bereich des Areals. -

"Wir haben zwar Termindruck, aber wir müssen nun sehen, wie wir mit der Situation fertig werden", sagt Dr. Andreas Willeke, Leiter des E.ON-Neubauprojekts, auf Anfrage der Waltroper Zeitung. Sofort nach Bekanntwerden der Entscheidung habe er einen Stopp der Arbeiten veranlasst, die nun allerdings im nördlichen Bereich fortgesetzt werden.

Zwar habe E.ON nicht mit dieser Entscheidung aus Münster gerechnet, allerdings könne Willeke nachvollziehen, dass sich der Richter ein Bild über das Projekt machen will. Mit Blick auf den kommenden Mittwoch, dem Tag des nicht öffentlichen Erörterungstermins, ist Willeke aber zuversichtlich, dass der Baustopp wieder aufgehoben wird. "Wir gehen davon aus, dass das Urteil des Gerichtes in unserem Sinne ausfällt".

Von einem Teilerfolg, "nicht mehr, aber auch nicht weniger" spricht Dirk Jansen, BUND-Geschäftsleiter. Die Entscheidung des OVG zeige, dass "unser Antrag wohlbegründet war und unser Anwalt gute und gründliche Arbeit geleistet hat". Der BUND schaue deshalb optimistisch in die Zukunft.

Dass der BUND den Bau des E.ON-Kraftwerks gerichtlich stoppen lassen will, ist für Dattelns Bürgermeister Wolfgang völlig unverständlich. Der Anlass für die Werner-Kritik am Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland bezieht sich nicht auf die Klage selbst. "Wir leben in einer Demokratie. Da steht jedem zu, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen", sagt Wolfgang Werner im Gespräch mit der Waltroper Zeitung.

Ihm geht es um den Vorwurf, in Datteln entstünde mit dem neue Kraftwerk einer der "größten Klimakiller" in NRW. Der BUND würde dabei vergessen, dass nach Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks Datteln 4 drei alte Anlagen abgeschaltet werden. E.ON erzeuge dann in etwa gleich viel Energie wie vorher an den drei alten Standorten. "Aber mit deutlich weniger CO2-Ausstoß", betont Werner . Verärgert ist Werner auch über den Vorwurf der Umweltschützer, das Genehmigungsverfahren sei "dubios und intransparent" abgelaufen: "Es ist sauber und nach allen Regeln und Vorschriften bei uns gearbeitet worden."
16. Februar 2007 | Quelle: Quelle: Waltroper Zeitung

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